Das Ranking der Managementdenker am Ende des Jahres 2011 auf www.managementdenker.com bzw. www.managementbestseller.de lässt wieder einmal einige interessante Rückschlüsse auf die Managementszene zu. Die aktuellen TOP-Denker Drucker, Simon, Malik und Faltin begreifen Management nicht mehr als Wissenschaft, sondern als Handwerk, das im über die engen Fachgrenzen der Ökonomie, Betriebswirtschafts- und MBA-Lehren hinauswachse.
All das, was uns Sicherheit gab, ist in Bezug auf komplexe Managementaufgaben verschwunden. Kausalität, Effizienz, Rationalität, Hierarchie - die Begrifflichkeit des alten Modells ist überschaubar. Der Sachverhalt, der das neue Modell von Management abbildet, ist es nicht. In einer postklassischen Welt der Unbestimmtheit und Unentscheidbarkeit kommt der nicht domestizierte Unternehmer wieder ins Spiel. Drucker, Simon, Malik und Faltin, alles ehemalige Universitätsprofessoren, entdecken und beschreiben in ihren Ansätzen manche Führungskräfte, die zwar „alles falsch machen“, wenn man sie an den Lehrbüchern misst, aber in deren Verantwortungsbereich trotzdem alles ausgezeichnet läuft.
Innovationen im Management entstehen aus der schöpferischen Zerstörung des „feeling of being pissed-off“ (Tom Peters) insbesondere der Praktiker im Management. Das Verdienst der Managementdenker ist es, das Unternehmerische, diese allzu rasch versiegende Quelle der Wertschöpfung, im offenen Diskurs und auch mit Hilfe der Medien wieder zu revitalisieren. Wirtschaft ist nicht nur die Psychologie des Verbraucherverhaltens, sondern auch die Psychologie des Unternehmerischen, der Findigkeit, der Risikobereitschaft und der Hartnäckigkeit, trotz Niederlagen, niemals aufzugeben.
Wozu ein Ranking der Managementdenker und Managementbestseller?
Aktuelle Rankings können helfen, das eigene Wissen mit neueren Entwicklungen zu kontrastieren und zu sehen, wohin wir uns im Management bewegen. Sicher ist dabei nicht nur interessant, wer die oberen Plätze belegt, sondern auch wer hinzukommt oder wer wieder an Einfluss verliert. Wer sich gerne inspirieren und beraten läßt, kann sehen, ob er „on the right track“ ist - wer auf Ratgeber verzichtet, kann sehen, womit sich die Kollegen beschäftigen.
Managementkonzepte entwickeln sich heute nicht mehr kontinuierlich. Sie verändern sich in Zeiten großer Unsicherheit in verschiedene Richtungen. Neue Managementkonzepte entwickeln sich durch Versuch und Irrtum, aufgrund technologischer und marktbezogener Veränderungen, durch Berater oder eben durch Managementdenker. Sie tragen dazu bei, Führungskräfte mit neuen Ideen zu versorgen, Managementtrends zu kommunizieren und zu verdichten.
Managementdenker, Managementphilosophen oder Managementgurus, wie sie die Medien bisweilen bezeichnen, sind dabei noch ein junges Phänomen. Bis 1980 lag die Auflage eines erfolgreichen Managementbuchs bei höchstens mehreren zehntausend Exemplaren. Heute hingegen gibt es viele Management-Bestseller mit Auflagen von mehreren Millionen Exemplaren. Managementdenker stillen ein Bedürfnis nach der Frage des Praktikers im Management, "was ist zu tun, wenn ...".
Im Buch Innovation durch Injunktion (2005) von Winfried W. Weber wird die wachsende Bedeutung der Managementdenker damit erklärt, dass Manager sich von den klassischen Konsultanten (Peter Sloterdijk), den Beratern, nach und nach lösen und sich Manager mit dem Phänomen Managementdenker ein neues Kommunikationssystem schaffen. Oder anders formuliert, in dem wir beobachten, welche Managementdenker bedeutend werden, sehen wir, in welche Richtung sich das Management entwickelt.
Das erste Ranking der Managememtdenker im deutschsprachigen Raum
SchriftlicheBefragung 2002/2003 Das Ranking der Managementdenker ist aus einem Forschungsprojekt an der Privaten Universität Witten/Herdecke von Winfried W. Weber (heute: Professor an der Hochschule Mannheim) hervorgegangen, bei der im Jahre 2002/2003 2500 Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeschrieben wurden (2000 in Deutschland, 270 in Österreich, 270 in der Schweiz - bei einer Rücklaufquote von 5,7% = 149).
Die Ergebnisse:
Der wichtigste Managementdenker im Zeitraum 2002 / 2003...
für deutsche Führungskräfte ist Michael Porter
für schweizerische Führungskräfte ist Peter Drucker
für österreichische Führungskräfte ist Michael Porter
Ranking der Managementphilosophen in Deutschland 2002/2003[1]
Rang 1 Michael E. Porter 1,6[2] Rang 2 Peter F. Drucker 2,1 Rang 3 Tom Peters 2,3 Rang 4 Philip Kotler 2,4 Rang 5 Fredmund Malik 2,8 Rang 6 Hermann Simon 2,8 Rang 7 Jack Welch 2,8 Rang 8 Rupert Lay 3,0 Rang 9 Henry Mintzberg 3,0 Rang 10 Charles Handy 3,5
[1] Erhebungszeitraum Okt. 2002 bis Okt. 2003. [2] Erläuterung: Wenn zum Beispiel Michael Porter von den Befragten zu den fünf wichtigsten Managementphilosophen gezählt wird und sie jeweils für einen Rang von 1, 2, 3, 4 oder 5 stimmen konnten, erhielt Porter im Durchschnitt Rang 1,6.
Wie werden Managementphilosophen in Deutschland bewertet? Skala: 1 = unglaubwürdig, 10 = sehr glaubwürdig usw.
Rang Glaubwürdigkeit Anwendbarkeit Originalität Ergebenheit der Anhänger Kohärenz 1 M. Porter 8,7 8,1 6,1 5,8 7,5 2 P. Drucker 9,0 7,7 8,0 7,3 8,1 3 T. Peters 7,1 6,5 8,3 8,2 6,3
TOP 30 Liste 2002/2003 (in alphabetischer Reihenfolge) Edward de Bono, Dieter Brandes, Richard Branson, Peter Drucker, Bill Gates, Daniel Goleman, Sumatra Goshal, Lynda Gratton, Gary Hamel, Charles Handy, John Harvey-Jones, Matthias Horx, Manfred F.R. Kets de Vries, Philip Kotler, Rupert Lay, Fredmund Malik, Henry Mintzberg, Kjell Nord-ström, Jonas Ridderstråle, Anita Roddick, Tom Peters, Michael Porter, C.K. Prahalad, Ricardo Semler, Peter Senge, Hermann Simon, Reinhard Sprenger, Fons Trompenaars, Karl Weick, Jack Welch
Quelle: Winfried W. Weber, Innovation durch Injunktion, Göttingen 2005, S. 185-189
Managementinnovation durch Managementenker
Während der Begriff „Innovation“ in der wirtschaftswissenschaftlichen Verwendung auf die Durchsetzung einer technischen oder verfahrensbezogenen Neuerung zielt, heißt Managementinnovation die Rahmenbedingungen zu ändern, wie Organisationen strukturiert und gemanagt werden. Beispiele für Managementinnovationen wären heterarchische statt hierarchische Strukturen, laterale statt horizontale Netzwerke (Heinz von Foerster), postheroische statt heroische Selbstverständnisse (Dirk Baecker). Da Manager als Letztentscheider über die Verteilung der Ressourcen bestimmen, sind Produkt- und Verfahrensinnovationen in diesem Sinne Resultate von Managementinnovationen. Wenn Management beginnt, sich im Sinne der soziologischen Managementlehre als Kommunikation zu begreifen, können Innovationen heute entweder von klassischen (inkrementellen) oder von postklassischen (bahnbrechenden) Managementmodellen gesteuert werden.
Managementinnovation bezeichnet damit auch den Einfluss, den Managementpraktiker mit innovativen Managementmodellen auf die Managementlehre und andere Manager ausüben oder den Managementdenker auf Manager ausüben.
Findige Managementpraktiker bewegen sich dabei entweder in einem Feld von Managementinnovationen (in dem sie experimentieren und Neuland im Management betreten) oder sie entwickeln konträre und bahnbrechende Führungsmodelle, die für sich stehen (zum Beispiel Ricardo Semler).
Die Aufgabe der Managementdenker ist es zu interpretieren, zu vernetzen und zu prüfen, wo Kursabweichungen Sinn machen. Der Managementdenker Charles Handy hat seine eigene Rolle einmal treffend beschrieben. Er sieht sich als honey-bee des Managements. Sie als Honigbienen hätten die Aufgabe, Thesen aufzuschreiben, dann in der Welt herumzuschwirren, einzuschärfen und Ratschläge zu geben. Ihre Vorträge müssten fesselnd und inspirierend sein, dabei einprägsam und umsetzbar. Je schneller sich das Rad der Veränderung drehe, umso notwendiger seien diese Honigbienen, immer den roten Faden der Business Community aufgreifend, zu verschlüsseln und Themen neu in Begriffe zu kleiden.
Managementdenker entwickeln Thesen und Ansätze, verbreiten sie und bringen das Managementwissen voran. Autor: Winfried W. Weber